Die Kuckucksuhr ist ein deutsches Produkt mit weltweitem Ruf. Die Wanduhr, mit Ihrem mechanischen Pendelwerk, gibt es schon seit Generationen. Traditionell hängt Sie voluminös an einer hohen Stelle, im wichtigsten Raum der Wohnung. Sie zeigt uns die Zeit an. Regelmäßig macht Sie sich, durch einen Vogel, phonetisch auf sich aufmerksam. Leider wird diese stolze Uhr immer weniger verwendet und landet dafür umso schneller in der Abstellkammer. Die Kuckucksuhr und politische Parteien sind sich sehr ähnlich. Einst waren Parteien wichtige Anker der Familien. Ihre Ideologie und Werte leiteten viele Haushalte in Ihrer Erziehung, in Ihrem Engagement und in Ihrem Wahlverhalten. Sie zeigten Möglichkeiten auf. Manchmal machte uns der Parteivorsitzende auf Zeichen der Zeit aufmerksam. Leider haben politische Vereinigungen auch schwierige Zukunftschancen. Womöglich landen die Parteien in der Abstellkammer.  Damit es nicht so kommt, muss die Kuckucksuhr schnellstmöglich mit einer Smartwatch ersetzt werden. Hier meine drei Vorschläge für die Reform der internen Parteistruktur:

Mobilität

Zurzeit ist das Engagement der Parteimitglieder an einem Kreisverband gebunden. Man diskutiert am Stammtisch, hängt Plakate auf und teilt Pressemitteilungen der Ratsfraktion auf den Social Media Kanälen. Die Ochsentour ist der typische Karriereweg vieler Mandatsträger. Diese Form der Mitgliedschaft geht an der Realität vieler junger Menschen vorbei. Spätestens mit dem Studium ziehen die Parteimitglieder aus. Auch während des Studiums sind die Young Leaders viel unterwegs. Auslandssemester, Praktika und weitere Mitgliedschaften bei anderen Vereinen lasten die jungen Aktiven aus. Die beschriebenen Profilierungsvorrausetzungen existieren für diese wichtige Zielgruppe nicht mehr.

Eine überregionale Mitgliedschaft auf Landes- und Bundesebene muss durch eine parteiinterne Online-Plattform geschaffen werden. Durch diese gibt es einen stetigen Austausch, unabhängig vom Standort der einzelnen Mitglieder. Online Konferenzen, themenspezifische Foren, Auflistungen von bundesweiten Parteiveranstaltungen sind im System fest verankert. Bei der Platzvergabe der Landesliste sollten mindestens 15% durch diese überregionalen Mitglieder akquiriert werden.

Unabhängigkeit

Das Klischee der Parlamente der Beamten und Anwälte ist nicht unwahr. Auch die mangelnde Bereitschaft interfraktionell zu arbeiten frustriert. Hinzu kommen Fraktionszwänge, betriebsblinde Organisation und mangelnder Realitätsbezug. Auch sind Parteiveranstaltungen wie Podiumsdiskussionen oder Vorträge nichts anderes als kleine Parteitage.

Die Parteien müssen mehr auf parteilose Interessenten setzen. Die aktive Einbeziehung muss auf allen Ebenen stattfinden. Es fängt bei den Nachbarn der lokalen Geschäftsstelle an und muss bis in den Parteivorstand hineinreichen. Praktisch kann dies bei der Erarbeitung des Parteiprogramms erfolgen. Bürger können Ihre Wünsche miteinbringen, präsentieren und verteidigen. Auch im Wahlkampf sind parteilose Volunteers effektiver als sich wiederholende Parteisoldaten. Sie kommen einfacher ins Gespräch mit Ihren Zielgruppen und sind durch Ihre Unabhängigkeit vertrauenswürdiger. So könnten Parteien Parteilose schnell zu Ihren Influencern machen.

Direktmandate

Aktuell melden sich immer die gleichen Gesichter zu allen aktuellen Themen zu Wort. Das stumpft ab und kratzt massiv an der Glaubwürdigkeit. Politische Figuren der ersten und zweiten Reihe werden nicht mehr als Botschafter einer politischen Nachricht akzeptiert.

Die Lösung ist nicht weit. Eine Stärkung von Direktmandaten ist ein elementarer Bestandteil zur Stärkung lokaler politischer Partizipation. Direkt gewählte Abgeordnete haben eine Basis, welche sich mit Ihm/Ihr identifiziert. Sei es aus lokalpatriotischer Sicht, parteipolitischer Präferenz oder schlicht aus Sympathie: Direktmandate müssen mehr in die Repräsentanz der Partei mit eingebunden werden. Die Aussagen müssen nicht immer auf Parteilinie sein. Gerade die Freiheit der Direktmandate ermöglicht es Ideen bei der Bevölkerung zu testen und Reaktionen zu bewerten. So steht der Parteivorstand weniger unter Druck und ein Verschleiß der Gesichter kann vermieden werden. Gleichzeitig stärkt die Partei die eigene Vielfalt und streut Ihre Präsenz bis in die Ortsebene.

Die Generalsekretäre haben die Chance an der Zeit zu drehen. Sie sollten es dringend nutzen. Ansonsten droht bei der nächsten Wahl die Abstellkammer.