Ein Kurzinterview aus Berlin.

Nina Prasch ist seit 2016 Geschäftsführerin und Projektleiterin der Jungen Islam Konferenz. Sie studierte Islamwissenschaften in Hamburg. Ihre berufliche Karriere führte Sie zur Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (giz), dem Schweizer Außenministerium, dem Goethe-Institut und der Heinrich-Böll-Stiftung. Zuletzt arbeitete Sie vier Jahre als Leiterin des Auslandsbüros der Hanns-Seidel-Stiftung in Kairo. Grund genug für mich ein ehrliches, persönliches und auf Erfahrungen basiertes Gespräch zu führen.

Jade Madani: Nina, du hast in Hamburg Islamwissenschaft studiert. Wie kam es dazu und wie hast du deine berufliche Zukunft damals gesehen?

Nina Prasch: Ich habe mein Studium Anfang der 90er Jahre begonnen also lange vor dem 11. September 2001 und lange bevor das Thema „Islam“ zum Tag-täglichen Diskussionsthema geworden ist. Meine Entscheidung Islamwissenschaft im Hauptfach zu studieren stand für mich schon zum Ende meiner Schulzeit fest. Die MENA Region hat mich damals bereits mehr als alles andere interessiert. Bei der Studienfachwahl habe ich, ehrlich gesagt, noch gar nicht an eine konkrete berufliche Zukunft gedacht. Ich habe einfach gemacht, was mich wirklich interessiert hat und habe es nie bereut.

Jade Madani: Du bist beruflich viel im Stiftungswesen unterwegs gewesen. Vor welchen Herausforderungen stehen Stiftungen in der Zukunft?

Nina Prasch: Der Gründungszusammenhang der deutschen politischen Stiftungen war nach dem 2. Weltkrieg die Erkenntnis, dass ein demokratisches politisches System kein Selbstläufer ist, sondern dass die Verankerung von Demokratie in der Gesellschaft kontinuierlich neu erarbeitet und vermittelt werden muss. Überall wird das im Moment gerade wieder viel deutlicher als in vergangenen Jahrzehnten. Die globale Entwicklung der shrinking oder closing spaces, also enger werdender Handlungsräume für bestimmte zivilgesellschaftliche Akteure aufgrund repressiver Maßnahmen, betrifft die Arbeit der Stiftungen in ganz zentraler Weise. Wenn externe Demokratieförderung mit Büros vor Ort in manchen Ländern wie aktuell z.B. in Ägypten, nicht mehr möglich ist, wird die Arbeitsweise von Stiftungen vor sehr komplexe, neue Herausforderungen gestellt.

Jade Madani: Du hast Jahre lang im arabischen Ausland gearbeitet. Welches Erlebnis hat dich am meisten geprägt?

Nina Prasch: Über viele Jahre hatte ich natürlich sehr viele verschiedene Erlebnisse, positive wie negative. Das prägendste Erlebnis aus der jüngeren Vergangenheit war definitiv die Teilhabe an dem fundamentalen politischen und gesellschaftlichen Umbruchprozess in Ägypten. Der Entwicklungsbogen von der hoffnungsvollen Aufbruchsstimmung von 2011 zurück in ein autoritäres System brutalster Repression und Bespitzelung, ist nicht nur eine Herausforderung für politische Analysten, sondern ist auch für jede/n der/die das miterlebt hat eine schockierende, schwer zu verarbeitende psychologische Erfahrung. Auch der Wert von funktionierender Rechtsstaatlichkeit bekommt ein ganz neues Gewicht.

Jade Madani: Auf der Jungen Islam Konferenz erfährst du Diskriminierungserfahrungen junger Menschen. Wurdest du auch diskriminiert?

Nina Prasch: Natürlich gibt es auch in arabischen Ländern Diskriminierung von Ausländer*innen. In fast allen Kontexten werde ich sofort als „westliche Frau“ und Ausländerin kategorisiert und grundsätzlich anders behandelt als z.B. eine Ägypterin oder Palästinenserin, mal abwertend, mal aufwertend aber aus dieser Kategorie kommt man kaum heraus.

Jade Madani: Welchen Rat gibst du jungen Erwachsenen für Ihr Leben?

Nina Prasch: Viele von Euch sind mit Vielfalt schon in der Kita aufgewachsen und haben keine Angst davor. Eure Generation hat dadurch die Chance sich ohne den ganzen Ballast von irrationalen Ängsten, festsitzenden unreflektierten Vorurteilen und stereotypen Betrachtungsweisen mit den tatsächlichen Herausforderungen einer pluralen, d.h. auch einer wertepluralen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Ganz sicher wird das kein Spaziergang. Ob es gelingt, dass Deutschland in den nächsten Jahrzehnten eine multireligiöse, pluralistische Demokratie wird, entscheidet sich vermutlich an Eurer Generation und letztendlich daran, was jede/r Einzelne von Euch dafür einbringt. #HaltungstattHerkunft

Interesse an der nächsten Jungen Islam Konferenz teilzunehmen?

http://www.junge-islamkonferenz.de/